Windpark Greiner Eck (Hessen)
Hydogeologische Stellungnahme

Im Oktober 2014 wurde eine Genehmigung für den Bau von fünf Windkraftanlagen am Greiner Eck (nördlich Neckarsteinach-Grein, Kreis Bergstraße) beantragt. 2017 ging der Windpark ans Netz. Die Anlagen liegen in der amtlichen Wasserschutzzone III mehrerer Wasserschutzgebiete von Quellen. Bestandteil des Genehmigungsverfahrens nach Bundesimmissionsschutzgesetz war u.a. eine hydrogeologische Stellungnahme des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) von Oktober 2014. Aus Sicht einer Interessenvereinigung gab es offensichtliche Unzulänglichkeiten in der HLUG-Stellungnahme. Im August 2019 beauftragte die  Interessenvereinigung Lesestein.de (Dr. Stahr) mit der Bewertung der hydrogeologischen Stellungnahme des HLUG hinsichtlich der Bemessung der Wasserschutzzonen II.

Fazit: Die Lage der unterirdischen Wasserscheide bzw. die unterirdischen Einzugsgebiete der Quellen sind nicht bekannt. Ebenso die Abstandsgeschwindigkeiten des den Quellfassungen zufließenden Grundwassers (reale 50-Tage-Linie). Hinsichtlich der potentiellen Trinkwassergefährdung während des Betriebes der Windenergieanlagen (WEA) sollten die unterirdischen Einzugsgebiete der Quellen jedoch bekannt sein. Aufgrund der sich andeutenden bzw. im gleichen Raum nachgewiesenen hohen Fließ- bzw. Abstandsgeschwindigkeiten (bis zu 100 m pro Tag und mehr sind möglich) sind Bemessung und Konfiguration der vor mehr als 30 Jahren festgesetzten Schutzzonen II, die sich u. a. an Wegverläufen orientieren, stark anzuzweifeln und entsprechen sicherlich nicht der geohydraulischen Realität. WEA des Windparks Greiner Eck liegen bei hohen Abstandsgeschwindigkeiten, von denen aufgrund des hohen hydraulischen Potentials im Gebiet des Windparks Greiner Eck (große Höhenunterschiede auf kurze Entfernungen zwischen den Höhen 450-500 m NHN und dem Neckar als Vorfluter) auszugehen ist, in der Schutzzone II. Dies untermauert auch die Aussage des HLUG aus 2004: „Bei den Quellfassungen im Buntsandstein-Odenwald mit hohen Fließgeschwindigkeiten kann die engere Schutzzone das gesamte Einzugsgebiet umfassen.“ Das HLUG geht auch auf Gefährdungen während des Baus und Betriebs der WEA ein und gibt Hinweise zur Minimierung von Beeinträchtigungen des Grundwassers. Minimierung heißt aber nicht ausschließen. Unfälle sind nicht kalkulierbar. So kam es auch zu dokumentierten Ölunfällen während der Bauphase. Im Grunde genommen kann die HLUG-Stellungnahme von 2014 keine Grundlage sein für die RP-Entscheidung, einen Windpark errichten zu können. Gemäß den Ausführungen im DVGW-Arbeitsblatt W 101 (2006) sollte die  Interessenvereinigung aus fachlicher Sicht eine Revision der betroffenen Wasserschutzgebiete sowie insbesondere der Schutzzonen II unter modernen geohydraulischen Aspekten fordern. Eine Gerichtsverhandlung beginnt im November 2021.